Ulrike Kohl von der Berlinischen Galerie
Ulrike Kohl von der Berlinischen Galerie berichtet über die Erschließung des Bestands Otto Borutta.

Am 10. Mai 2017 nahmen wir an der Frühjahrstagung der Fachgruppe Dokumentation des Deutschen Museumsbundes im Zuse-Institut teil. Viele Einrichtungen – vor allem aus Berlin und Brandenburg – präsentierten ihre neusten Digitalisierungsprojekte und diskutierten die damit verbundenen Herausforderungen und bisherigen Erfolge. Besonders spannend fanden wir das Projekt Öffnet externen Link in neuem Fenster„Fotografische Dokumentation zu Westberliner Architektur und Städtebau, 1955 bis 1975“ der Berlinischen Galerie, die den Bestand des Architekts Otto Borutta digitalisieren. Die Sammlung bietet viele Anknüpfungspunkte zu unserer Arbeit, vor allem zum Hintergrund der Öffnet externen Link in neuem FensterInternationalen Bauausstellung (IBA) und zur breiteren Geschichte der Stadtentwicklung in Kreuzberg, die wir in der Ausstellung Öffnet externen Link in neuem Fenster„Geschichte wird gemacht! Abriss und Aufbruch am Kottbusser Tor“ dokumentieren. Darüber hinaus fanden wir es beruhigend, dass die Berlinische Galerie bei der Erfassung der Digitalisate mit sehr ähnlichen Fragen umgeht wie wir, zum Beispiel welche Schlagwort-Thesauren nützlich sein können oder von welchem Punkt die Geokoordinaten eines Gebäudes abgelesen werden soll. Wir freuen uns auf die Onlinestellung des Bestands!

Brandenburg stellte sich beim Treffen als Land der Gegensätze heraus. Ulf Preuß von der Koordinierungsstelle Brandenburg-digital berichtete über die Möglichkeiten der Digitalisierung mit sehr bescheidenen Mitteln: zwischen 2012 und 2015 wurden Digitalisierungsprojekte in 53 brandenburgische Museen und Archiven realisiert, mit einer Gesamtfinanzierung von 500.000 €* (zum Vergleich hat das aktuelle Digitalisierungsprojekt des FHXB Museums einen Umfang von 67.500 €). Trotz des schwierigen finanziellen Rahmens gibt es viel Bewegung im Bereich Digitalisierung in den öffentlichen Einrichtungen Brandenburgs. Als Gegenbeispiel stellte Ina Storch, kaufmännische Leiterin des privatfinanzierten Museum Barberini, die mediale Arbeit ihrer Institution vor. Diese umfasst eine kostenlose App zur Ergänzung des Museumsbesuchs sowie einen 3x4-meter Bildschirm im Museumsfoyer und einen Doppelboden zur besseren Einbindung digitaler Technologien im gesamten Museumsgebäude. Einerseits war es erfrischend, die Möglichkeiten grenzloser Finanzierung am konkreten Beispiel zu sehen, andererseits konnten wir wenig davon auf unser eigenes Projekt übertragen.

Es hat uns sehr gefreut, mit Kolleg*innen aus ganz Deutschland über aktuelle Projekte auszutauschen. Wir möchten den Deutschen Museumsbund an dieser Stelle noch einmal herzlich zum 100. Geburtstag gratulieren und uns für die hervorragende Organisation der Frühjahrstagung 2017 bedanken!!

* Ulf Preuß, „Brandenburg.digital“, in Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung, hrsg. Ellen Euler u. Paul Klimpel, 52–69 (Hamburg: Hamburg University Press, 2016).