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Gruß und Kuß...Kreuzberg in historischen Postkartenansichten

27. April bis 31. Juli 1997

Wer in Kreuzberg wohnt, ist in der Regel nicht dort geboren. Die Bevölkerung des Stadtteils tauscht sich in jeder Generation einmal komplett aus.

In der Ausstellung des Kreuzberg Museums zeigten historische Ansichtskarten den Bezirk so, wie ihn nur wenige seiner Einwohner persönlich kennenlernen konnten: Unversehrt – noch verschont von den schweren Flächenbombardements des Zweiten Weltkriegs und noch unbehelligt von den Ideen der Stadtplaner und Sanierer der Nachkriegszeit. Die sorgfältig ausgewählten und kenntnisreich kommentierten Bildpostkarten hielten die Erinnerung wach an das Leben in der südlichen Friedrichstadt, der Luisenstadt und der Tempelhofer Vorstadt – den alten Berliner Stadtvierteln, aus denen 1920 der Verwaltungsbezirk Kreuzberg gebildet wurde. Viele Motive stammten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und sind nach ihrem ersten Erscheinen nie wieder veröffentlicht worden, darunter auch einige sehr seltene 3-D-Postkarten, die mit einem speziellen Sichtgerät betrachtet werden konnten. Es war faszinierend zu beobachten, wie sich aus den einzelnen Ansichten nach und nach eine unerwartete Gesamtschau des Stadtteils zusammensetzte: Die Einrichtungen des städtischen Verkehrs, das Militär, die Kirchen, Handel und Gewerbe und die Vergnügungsetablissements traten in den Vordergrund, weniger die soziale und politische Geschichte, die in den vergangenen Jahrzehnten bevorzugter Gegenstand historischer Nachforschungen war.

Einige Karten wurden in der historischen Druckerei des Museums nachgedruckt. Die Besucher konnten sie in der Ausstellung mit einem Gruß beschriften, addressieren, frankieren und in einen "königlich preußischen" Briefkasten werfen. Mit einem Sonderstempel versehen gelangten sie an die Empfänger. Der Katalog ist als Bildband im Jaron-Verlag erschienen (DM 29.80).