Öffnungszeiten

Wir empfehlen das Tragen einer FFP2- oder medizinischen Maske.

Ausstellungen

Di–Do 12:00–18:00 Uhr
Fr–So 10:00–20:00 Uhr
Eintritt frei

Archiv

Di und Mi 10:00–16:00 Uhr
Do 12:00–18:00 Uhr

Anfahrt

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstraße 95A
10999 Berlin-Kreuzberg
U-Bahn Kottbusser Tor (U1, U8), Bus M29, 140

So finden Sie uns:

https://goo.gl/maps/vu8x9AQBR762

Barrierefreiheit

Rollstuhlgerechter Zugang zu allen Ausstellungen der drei Etagen, zum Archiv und der Veranstaltungsetage. Ausstellungen im Glasturm sind nicht rohlstuhlgerecht. Eine barrierefreie Toilette befindet sich im Untergeschoss des Museums. Für die Nutzung können Sie einen Schlüssel im Buchladen des Museums (Hochparterre) entleihen.

Newsletter & Facebook

Möchten Sie unseren monatlichen Newsletter erhalten? Schicken Sie eine kurze E-Mail mit dem Betreff „Bestellen“ an
veranstaltungenfhxb-museum.REMOVE-THIS.de

Besuchen Sie uns auf Facebook und Instagram!

Publikationen

Hier finden Sie eine Liste unserer Veröffentlichungen.

Kontakt

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Fachbereich Kultur und Geschichte

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstraße 95A
10999 Berlin-Kreuzberg
Fax +49 30 50 58 52 58
infofhxb-museum.REMOVE-THIS.de

Logo FHXB-Museum

FHXB-Museum Friedrichshain Kreuzberg

Vor Ort: Stolpersteine

Suche

Suche einblenden

Facebooklink

Logo Facebook

Intagramlink

Logo Instagram

Verlegung von 28 neuen Stolpersteinen in Friedrichshain-Kreuzberg

Am Montag, 4. April und am Mittwoch, 6. April 2022 wurden in Friedrichshain-Kreuzberg 28 Stolpersteine verlegt.

 

Montag, 4. April 2022 – 13 Stolpersteine

Route
 

In der Kopernikusstraße 5 wurde um 11:55 Uhr mit einem Stolperstein an Alfred Zitrin erinnert.

Alfred Zitrin kam am 26. September 1905 in Berlin zur Welt und wuchs bei Pflegeeltern auf. Er absolvierte eine Uhrmacherlehre. Am 17. August 1932 heiratete er in Berlin-Charlottenburg die Hausangestellte Martha Müller, geb. 1907 in Rathenow. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Alfred Zitrin. Durch seine Heirat mit der nichtjüdischen Martha Müller blieb er zunächst vor einer Deportation bewahrt, musste jedoch Zwangsarbeit bei der Reichsbahn leisten. Das Ehepaar lebte zuletzt in der Kopernikusstraße 5. Im Rahmen der sogenannten "Fabrikaktion" im Februar 1943 wurde Alfred Zitrin von der Gestapo verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Großbeeren bei Berlin verschleppt. Aufgrund mangelhafter Ernährung, durch Misshandlung, Erschöpfung oder infolge unmenschlicher Zwangsarbeit fanden dort mindestens 1.197 Gefangene den Tod, darunter war auch Alfred Zitrin. Er kam am 9. April 1943 im Alter von 37 Jahren ums Leben. Alfred Zitrin wurde in Großbeeren begraben, nach dem Krieg auf Antrag seiner Witwe exhumiert und im April 1947 auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Der Stolperstein für Alfred Zitrin wurde von einem engagierten Nachbarn initiiert.

 

12:20 Uhr wurde an der Südostecke vom Annemirl-Bauer-Platz (ehemals Simplonstr. 77) ein Stolperstein für Alfred Braun verlegt.

Alfred Braun wurde am 31. Dezember 1905 in Schleusenau, einem Vorort der Stadt Bromberg (heute Bydgoszcz in Polen) geboren. Seine Eltern gehörten der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Bromberg nach dem Friedensvertrag von Versailles an Polen abgetreten. Die Familie Braun verließ die Stadt und ließ sich in der kleinen Stadt Krojanke, etwa 70 km westlich von Bromberg gelegen, nieder. Alfred Braun wurde Kaufmann und hielt sich zeitweise in Krojanke, zeitweise in Berlin auf, wo er zur Untermiete wohnte. Im Mai 1939 lebte er bei dem Ehepaar Pieper in der Simplonstraße 77 in Friedrichshain. Dieses Haus existiert nicht mehr, es befand sich an der Südostecke des heutigen Annemirl-Bauer-Platzes. Alfred Braun wurde am 29. Oktober 1941 vom Bahnhof Grunewald mit dem sogenannten „3. Osttransport“ in das Ghetto Lodz deportiert. Die Lebensbedingungen im Ghetto waren unmenschlich: Die Bewohner mussten Zwangsarbeit leisten, litten an Unterernährung, starben an Krankheiten oder erfroren im Winter. Die engen und unzureichenden Wohnverhältnisse sowie die schlechte hygienische Situation trugen ebenfalls zur hohen Sterberate bei. Alfred Braun kam dort am 7. November 1942 im Alter von 36 Jahren ums Leben.

Der Stolperstein für Alfred Braun wurde von einer Angehörigen initiiert.


Mit der Verlegung von Stolpersteinen wird 13:00 Uhr in der Taborstraße 11 an Eduard Zeiner und Betty Zeiner erinnert.

Eduard Zeiner kam 1869 in Jungbunzlau (damals Habsburgerreich, heute in Tschechien) zur Welt. Er ergriff den Beruf des Kaufmanns und übersiedelte um 1900 nach Berlin. Er heiratete 1903 Betty Friedmann, geb. 1872 in Stallupönen (damals Ostpreußen, heute in Russland). Das Ehepaar Zeiner wohnte zunächst im Prenzlauer Berg. 1909 zogen sie in das Haus Taborstraße 11, wo sie über 30 Jahre wohnten. Sie betrieben ein Herrenmoden-Geschäft in der Wrangelstraße 42. Betty und Eduard Zeiner wurden wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Die unsäglichen Lebensbedingungen im Ghetto überstand Eduard Zeiner keine vier Wochen: Er starb am 29. Oktober 1942 im Alter von 73 Jahren. Betty Zeiner kam am 8. Februar 1943 ums Leben. Sie starb an einer im Ghetto grassierenden Darmerkrankung, die eine Folge der katastrophalen hygienischen Bedingungen, vollkommen unzureichender Wohnverhältnisse und der Unterernährung war.

Der Stolperstein für Alfred Zitrin wurde von einer engagierten Nachbarin initiiert.

 

In der Manteuffelstraße 21 wurde 13:30 Uhr mit einem Stolperstein Joseph Abraham gedacht.  

Joseph Abraham kam 1884 in Posen zur Welt. Er erlernte den Beruf des Tapezierers und heiratete Helene Breslauer, geb. um 1881. Es ist nicht bekannt, ob das Ehepaar Kinder hatte. Nachdem Posen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Polen abgetreten wurde, übersiedelte Joseph Abraham nach Berlin. Seit 1921 wohnte das Ehepaar im Prenzlauer Berg. Helene Abraham starb 1928 im Alter von 47 Jahren.
Joseph Abraham heiratete 1929 Rosa Kiwi, geb. 1896 in Obersitzko (Provinz Posen). Um 1934 zog das Ehepaar in die Manteuffelstraße 21. Für Rosa Abraham gibt es dort bereits einen Stolperstein. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen das jüdische Ehepaar Abraham. 1939 mussten die Abrahams ihre Wohnung in der Manteuffelstraße 21 verlassen und in ein Zimmer zur Untermiete in der Köpenicker Straße 25a ziehen. Joseph Abraham musste Zwangsarbeit als Polsterer in einer Matratzenfabrik leisten. Seine Frau Rosa Abraham war bei Siemens & Halske in Charlottenburg zwangsverpflichtet. Joseph Abraham wurde am 3. März 1943 mit dem sogenannten „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Seine Frau Rosa Abraham wurde bereits zwei Tage vorher dorthin verschleppt. Beide wurden vermutlich unmittelbar nach der Ankunft in einer der Gaskammern des Lagers ermordet.

Die Patin für den Stolperstein für Joseph Abraham ist eine engagierte Nachbarin.


13:55 Uhr wurde in der Naunynstraße 69 ein Stolperstein zur Erinnerung an Paul Kitt verlegt.

Der Tischler Paul Kitt, geb. 1885 in Berlin, wohnte mit seiner Frau Martha und zwei Söhnen (geb. 1925 und 1927) seit 1934 in der Naunynstraße 69. Paul Kitt hatte sich 1930 als Bibelforscher – seit 1931 Zeugen Jehovas genannt – taufen lassen. Im Juni 1933 wurden die Zeugen Jehovas wegen ihrer Widerständigkeit von den Nazis verboten. Paul Kitt übte seine Religion und die Missionsarbeit fortan illegal aus. Am 13. November 1936 wurden er und weitere Zeugen Jehovas von der Gestapo verhaftet. Er kam in das KZ Sachsenhausen, wo er schwere Zwangsarbeit leisten musste. Am 27. April 1937 wurde Paul Kitt vom Landgericht Berlin wegen seiner Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Gefängnis Plötzensee verbüßte. Nach dem Ende seiner Haft wurde er allerdings nicht entlassen, sondern – wie viele andere Regimegegner – in sogenannter „Schutzhaft“ behalten. Paul Kitt wurde zunächst in das KZ Sachsenhausen überstellt, von dort am 29. August 1940 in das KZ Dachau und am 23. Januar 1941 in das KZ Hamburg-Neuengamme verschleppt. Dort kam Paul Kitt am 12. Februar 1942 im Alter von 57 Jahren ums Leben. Geschwächt durch schwere Zwangsarbeit, mangelhafte Ernährung, schlechte hygienische Bedingungen und unzureichende Kleidung verstarb er nach mehr als 5 Jahren in Haft. Das Urteil des Landgerichts Berlin gegen Paul Kitt wurde 1951 auf Antrag seiner Witwe postum aufgehoben.

Die Patin des Stolpersteines für Paul Kitt ist eine Angehörige.

 

Für Ida Pariser und Johanna Pariser wurden 14:15 Uhr in der Naunynstraße 51 zwei Stolpersteine verlegt.  

Ida Pariser kam 1872, ihre Schwester Johanna 1878 in Gnesen in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Die Familie übersiedelte Mitte der 1880er Jahre nach Berlin. Nach dem Tod der Eltern zogen Ida und Johanna Pariser um 1911 nach Charlottenburg. Johanna Pariser arbeitete als Expedientin, sie war also für das Kassen- und Rechnungswesen sowie für die Aktenverwaltung einer Institution zuständig. Ida Pariser führte vermutlich den Haushalt. Seit 1936 wohnten die Schwestern in der Naunynstraße 51. Als Jüdinnen wurden Ida und Johanna Pariser am 1. November 1941 vom Bahnhof Grunewald mit dem sogenannten „4. Osttransport“ in das Ghetto Lodz deportiert. Die Lebensbedingungen dort waren unmenschlich. Ida Pariser kam am 24. August 1942 ums Leben. Johanna Pariser wurde am 10. September 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet. Zwei weitere Schwestern von Ida und Johanna Pariser wurden ebenfalls in der Shoah ermordet.
Eine engagierte Nachbarin initiierte die Stolpersteine für Ida und Johanna Pariser.


Ein Stolperstein in der Bergfriedstraße 6, 14:45 Uhr wurde an Ilse Kohn erinnern.

Ilse Kohn wurde 1901 als Tochter des Kaufmanns Isidor Kohn und dessen Ehefrau Elise, geb. Wohl, geboren. Die jüdische Familie lebte im damaligen Westpreußen und übersiedelte um 1920 nach Berlin. Ilse Kohn arbeitete als Hausangestellte, als Verkäuferin sowie in der Landwirtschaft. Am 26. Mai 1933 brachte sie ihre Tochter Gisela zur Welt und lebte mit ihr bei ihren Eltern in der damaligen Fürstenstraße 15 (heute Bergfriedstraße 6). In den späten 1930er Jahren war Ilse Kohn als Wäscherin im Jüdischen Krankenhaus Berlin beschäftigt. Im März 1939 wurde sie von der Gestapo wegen sogenannter „Rassenschande“ verhaftet und im Juni 1939 in das KZ Ravensbrück verschleppt, wo sie schwere Zwangsarbeit in einem Steinbruch verrichten musste. Ilses Vater versuchte sie freizubekommen. Nach vielen Bemühungen gelang es der Jüdischen Gemeinde Berlin Ilse Kohn eine Stellung als Hausangestellte in England zu beschaffen. Sie wurde daraufhin Anfang Juli 1939 aus dem KZ entlassen und wanderte einige Tage später nach England aus. Ihre Tochter Gisela konnte sie nicht mitnehmen, diese blieb bei Ilses Kohns Eltern. Isidor, Elise und Gisela Kohn wurden nach Theresienstadt bzw. Auschwitz deportiert und ermordet. Für sie gibt es bereits Stolpersteine.
Ilse, seit 1952 verheiratete Dawidow, ist 1987 in England gestorben. Sie ist über die Ermordung ihrer Tochter, ihrer Eltern und ihre eigenen Erlebnisse im KZ Ravensbrück nie hinweggekommen.

Die Paten des Stolpersteins für Ilse Kohn sind engagierte Kreuzberger*innen


In Erinnerung an Ewald Coper, Minna Coper, Heinz Coper und Ruth Coper wurden um 15:10 Uhr am Fraenkelufer 40 (ehemals Thielschufer) Stolpersteine verlegt.

Der Kaufmann Ewald Coper war 1892 und seine Frau Minna, geb. Zadek, 1901 in Crone a.d. Brahe in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt gekommen. Das jüdische Ehepaar zog Anfang der 1920er Jahre nach Elbing, südöstlich von Danzig und nahe der Ostseeküste gelegen, wo 1920 Sohn Heinz und 1923 Tochter Ruth geboren wurde. Die Familie Coper verließ 1933 wegen zunehmenden Antisemitismus die Stadt und zog nach Berlin und wohnte am Kottbusser Ufer 61 (heute Fraenkelufer 40.) Die Familienmitglieder wurden am 27. Februar 1943 Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“. Dabei wurden Juden und Jüdinnen, die bis dahin der Deportation entgangen waren, weil sie in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert.
Ewald, Minna, Heinz und Ruth Coper wurden am 3. März 1943 mit dem sogenannten „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Stolpersteine für Ewald Coper, Minna Coper, Heinz Coper und Ruth Coper wurden von mehreren engagierten Nachbar:innen initiiert.

 


Mittwoch, 6. April 2022 – 15 Stolpersteine

Route

 

Mit der Verlegung eines Stolpersteines wurde um 9:00 Uhr in der Wilhelmstraße 15 an Edith Birnbaum gedacht.

Edith Birnbaum kam am 23. Januar 1900 in Charlottenburg zur Welt. Nach der Trennung ihrer Eltern 1903 lebte sie bei ihrer Mutter.
Edith Birnbaum bezog um 1930 eine eigene Wohnung in der Wilhelmstraße 138 in Kreuzberg. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Sekretärin und Stenotypistin. Seit etwa 1934 wohnte sie in der Wilhelmstraße 15. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Edith Birnbaum, da sie Jüdin war. Edith Birnbaum versuchte wahrscheinlich an ihrem 42. Geburtstag Selbstmord zu begehen und starb am 24. Januar 1942 im Jüdischen Krankenhaus Berlin an einer Schlafmittelvergiftung. Ihre Mutter wohnte zuletzt in Charlottenburg zur Untermiete. Sie wurde am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort kam sie am 27. Oktober 1942 ums Leben.
Der Stolperstein für Edith Birnbaum hat eine Angehörige initiiert.


In der Großbeerenstraße 5 wurde 9:25 Uhr der Stolperstein für Carl Jachmann, der beschädigt wurde, ersetzt. Die Biografie von Carl Jachmann ist veröffentlicht auf https://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1913


An Max Hanff, Alma Hanff, Gustav Hanff und Dolly Hanff werden in der Alten Jakobstraße (gegenüber der Einmündung Franz-Künstler-Straße), 9:55 Uhr vier Stolpersteine erinnern.     

Gustav Hanff kam 1887, sein Bruder Max 1888 in Zielenzig in der damaligen Provinz Brandenburg, etwa 40 km östlich von Frankfurt (Oder), zur Welt. Um 1902 übersiedelte die Familie Hanff nach Berlin. Gustav und Max Hanff absolvierten eine kaufmännische Ausbildung. Alma Abbe kam 1893, ihre Schwester Dolly 1894 in Kempen in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Um 1911 übersiedelte die Familie Abbe nach Berlin. Der Vater führte in der Lindenstraße 29 ein Uhren- und Goldwarengeschäft, in dem auch die Töchter arbeiteten. 1921 heirateten Max Hanff und Alma Abbe und 1922 wurde ihr Sohn Siegfried geboren. Dolly Abbe und Gustav Hanff heirateten 1923. Um 1932 zogen die Hanffs in die Hollmannstraße 26. Diese Straße existiert nicht mehr, sie verlief zwischen der Linden- und der Alexandrinenstraße. Das Haus Nr. 26 stand einst dort, wo sich heute das Gelände des Jüdischen Museums Berlin befindet. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Familie Hanff. Siegfried Hanff wanderte Anfang 1939 nach Palästina aus. Max Hanff verstarb im März 1940. Gustav Hanff musste bei Blaupunkt in der Köpenicker Straße, Dolly bei AEG in Oberschöneweide, Alma bei einer Gärtnerei in Rudow Zwangsarbeit leisten. Sie wurden am 26. Februar 1943 mit dem sogenannten „30. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Stolpersteine für Max Hanff, Alma Hanff, Gustav Hanff und Dolly Hanff werden auf Initiative einer Angehörigen verlegt.


An Theodor Weiss wird mit der Verlegung eines Stolpersteines um 10:30 Uhr in der Oranienstraße 129 (Ostecke Alexandrinenstraße) erinnert.

Theodor Weiss kam 1874 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern zur Welt. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und wurde evangelisch erzogen. Als Jugendlicher schloss er sich einer Gruppe von Artisten an, später war er Fabrikarbeiter, Humorist, Verwandlungskünstler und Gelegenheitsarbeiter. 1901 heiratete er, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Ab 1916 lebte Theodor Weiss von seiner Frau getrennt, die Ehe wurde 1929 geschieden. Theodor Weiss nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1924 ging er eine Beziehung mit Klara Schröter ein, aus der drei Kinder hervorgingen. Mitte der 1930er Jahre wohnten sie in der Oranienstraße 129 in Kreuzberg (das Haus existiert nicht mehr). Durch den Erlass der „Nürnberger Gesetze“ 1935 wurden Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Da Klara Schröter sogenannte „Arierin“ war, wurde Theodor Weiss im Oktober 1936 verhaftet und im Februar 1937 wegen sogenannter „Rassenschande“ zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde nach dem Ende seiner Haft in das KZ Dachau überstellt und erst Ende September 1938 entlassen. Im August 1941 wurde Theodor Weiss erneut festgenommen und im November 1941 nach Buchenwald überstellt. Im Januar 1942 wurde er zu einer Strafe von 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Theodor Weiss wurde am 6. Januar 1943 aus der Haft entlassen und nach Auschwitz deportiert, wo er am 30. Januar 1943 ermordet wurde.

Die Patin für den Stolperstein für Theodor Weiss ist eine Angehörige.

 

Um 10:55 Uhr wurde für Walter Owitz am Erkelenzdamm 11-13 ein Stolperstein verlegt.

Walter Owitz kam 1922 in Berlin zur Welt. Die Familie wohnte in der Alexandrinenstraße 37. Sein Vater betrieb eine Toilettenartikel-Fabrikation und handelte mit Kamm- und Bürstenwaren. Um 1936 zog die Familie in das Haus Elisabethufer 28-29 (heute Erkelenzdamm 11-13). Nach der Schule absolvierte Walter Owitz eine Lehre als Schlosser. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Familie Owitz. Die Firma des Vaters wurde 1939 als jüdisches Unternehmen liquidiert. Wahrscheinlich um ihre Familie zu schützen, trat die konvertierte Mutter 1939 wieder aus der jüdischen Gemeinde aus. Walter galt trotzdem rechtlich als Jude, da er im jüdischen Glauben erzogen war. Zuletzt bewohnte Walter Owitz mit seinen Eltern in der Hauptstraße 76 in Friedenau zwei Zimmer zur Untermiete. Er war zur Zwangsarbeit als Schlosser und Elektriker in der Spinnstofffabrik Zehlendorf verpflichtet. Walter Owitz wurde am 31. Juli 1942 mit dem sogenannten „34. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Am 23. Januar 1943 wurde er von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Sein Vater und seine Mutter erlebten das Kriegsende in Berlin.

Der Stolperstein für Walter Owitz wurde von einem engagierten Nachbarn initiiert.


Mit fünf Stolpersteinen wird in der Skalitzer Straße 141a ,11:25 Uhr Max Jacobson, Charlotte Jacobson, Hans Jacobson, Rudolf Jacobson und Dolly Mölke gedacht.

Im Haus in der Skalitzer Straße 141a war der letzte Wohnort der jüdischen Familie Jacobson. Max Jacobson kam 1879 in Danzig zur Welt. Er siedelte nach Berlin über, studierte Architektur und arbeitete als Architekt. Er heiratete 1908 Charlotte Wotyzky, geb. 1888 in Berlin. Das Paar bekam drei Kinder: Rudolf (geb. 1908), Hans (geb. 1910) und Dolly (geb. 1911). Rudolf absolvierte eine Lehre als Elektriker und Kinovorführer, Hans als Grafiker und Buchdrucker. Dolly Jacobson, die Tänzerin war, heiratete 1934 den „Nicht-Juden“ Werner Mölke. Das Paar trennte sich bald wieder, ließ sich aber nicht scheiden. Dadurch war Dolly Mölke vor der Deportation geschützt. Max Jacobson wurde am 13. Juni 1938 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Am 3. September 1940 wurde er in das KZ Dachau deportiert, wo er am 4. Januar 1941 ermordet wurde. Charlotte Jacobson wurde am 12. Januar 1943 nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Danach tauchte ihr Sohn Rudolf unter, beschaffte sich falsche Papiere und lebte und arbeitete als „Arier“ in Berlin. Bei einer Kontrolle wurde er am 17. August 1944 verhaftet und am 6. September 1944 nach Auschwitz deportiert. Von dort wurde er am 19.11.1944 in ein Außenlager des KZ Buchenwald verschleppt. Er erlebte die Befreiung des Lagers. Hans Jacobson wurde am 7. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er am 2. Februar 1944 ermordet wurde. Rudolf Jacobson und Dolly Mölke wanderten nach dem Krieg in die USA aus.

Die Stolpersteine für Max Jacobson, Charlotte Jacobson, Hans Jacobson, Rudolf Jacobson und Dolly Mölke werden auf Initiative eines Angehörigen verlegt.

 

Am Kottbusser Damm 5, 12:00 Uhr wurden für Selma Fichtmüller und Elli Blau Stolpersteine verlegt.  

Selma Blau wurde 1874, ihre Schwester Elli 1881 in Berlin geboren.
Selma heiratete 1898 den Kaufmann Julius Fichtmüller. Zwei Söhne kamen 1899 und 1900 zur Welt und starben im Alter von wenigen Monaten. Das Ehepaar trennte sich und Selma zog zurück zu ihren Eltern in die Stallschreiberstraße 58.
Seit 1914 lebten Selma Fichtmüller und Elli Blau im Haus Kottbusser Damm 5. Beide Frauen waren berufstätig: Selma verdiente ihren Lebensunterhalt als Buchhalterin, Elli war Prokuristin. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen Zwangsmaßnahmen. Um sich einer drohenden Deportation zu entziehen, entschlossen sich die Schwestern zum Selbstmord: Sie wurden am 5. September 1942 in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Selma Fichtmüller und Elli Blau wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Die Patin für die beiden Stolpersteine für Selma Fichtmüller und Elli Blau ist eine Angehörige.


Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg, bearbeitet von der Geschäftsstelle Gedenktafelkommission Friedrichshain-Kreuzberg.

Fotos: Astrid Schiemann / FHXB Museum

Verlegung von 6 neuen Stolpersteinen in Friedrichshain-Kreuzberg

Am Dienstag, 5. Oktober 2021 wurden weitere sechs Stolpersteine in Friedrichshain-Kreuzberg verlegt.

In der Prinzenstraße 86 wird nun mit vier Stolpersteinen an Benno, Erna, Ella und Eva Herschberg erinnert.
Benno Herschberg kam 1891 in Wieluń (Russland) zur Welt. Er erlernte den Beruf des Kürschners und heiratete in Berlin 1918 Erna Neumark, geb. 1894 in Tarnów (Polen). Das Ehepaar bekam zwei Töchter: Ella, geb. 1920, und Eva, geb. 1927 in Berlin. Die Familie bewohnte eine großzügige Wohnung in der Prinzenstraße 86 und führte dort eine Kürschnerwerkstatt mit einigen Angestellten.
Am 28. Oktober 1938 wurde die Familie Herschberg im Rahmen der sogenannten „Polenaktion“ aufgrund ihrer polnischen Staatsangehörigkeit verhaftet und nach Polen ausgewiesen, wo sie zunächst in der damaligen Grenzstadt Bentschen (Zbąszyń) strandeten. Von dort gingen sie zu den Großeltern in den 50 km südwestlich von Lodz gelegenen Ort Zduńska Wola. 1940 musste die Familie dort in ein sogenanntes „Judenwohnviertel“ übersiedeln, welches ab 1941 ein geschlossenes Ghetto war.

Ab 1940 musste die ganze Familie Zwangsarbeit leisten.
Das Ghetto Zduńska Wola wurde am 22. August 1942 liquidiert. Die Eltern Benno und Erna Herschberg wurden in das Vernichtungslager Chelmno deportiert und ermordet. Die Töchter Ella und Eva wurden in das Ghetto Lodz verschleppt, wo sie weiterhin Zwangsarbeit leisten mussten. Am 22. August 1944 wurden Ella und Eva Herschberg nach Auschwitz und nach wenigen Wochen weiter in das Zwangsarbeiterlager Bremen deportiert. Dort mussten sie bei Abrissarbeiten von bombardierten Häusern helfen. Als das Lager Anfang April 1945 liquidiert wurde, kamen sie nach Bergen-Belsen, wo Ella und Eva Herschberg am 15. April 1945 durch die britische Armee befreit wurden.
Beide wanderten nach dem Krieg nach Israel aus.
Die Stolpersteine für Benno, Erna, Ella und Eva Herschberg wurden von einem Angehörigen initiiert.


In der Pintschstraße 7 wurde zur Erinnerung an Lina Günther ein Stolperstein verlegt.

Lina Jakobus kam 1879 in Nichorz, etwa 130 km südwestlich von Danzig gelegen, zur Welt. Sie heiratete 1903 in Berlin den Uhrmacher Paul Günther, 1904 wurde die Tochter Meta geboren. Die Ehe mit Paul Günther wurde 1926 geschieden. Lina Günther verdiente seit 1917 ihren Lebensunterhalt mit einer Plätterei. Tochter Meta blieb bis zu ihrer Hochzeit 1927 bei der Mutter. 1933 zog Lina Günther in die Pintschstraße 8 (heute Nr. 7) und bewohnte dort im ersten Stock des Vorderhauses eine Stube und Küche. Als Jüdin wurde sie zur Zwangsarbeit in der Wäscherei der Firma Spindler in Berlin-Spindlersfeld verpflichtet. Lina Günther wurde am 27. Februar 1943 Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“. Dabei wurden Juden und Jüdinnen, die bis dahin der Deportation entgangen waren, weil sie in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert. Lina Günther wurde am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und vermutlich direkt nach der Ankunft ermordet. Ihre Tochter Meta Günther überlebte die Shoah, da sie mit einem sogenannten „Arier“ verheiratet war.
 

Mit der Verlegung eines Stolpersteines in der Pintschstr. 15 wird an Johanna Marnitz gedacht.

Johanna Katzky wurde 1870 in Berlin geboren. Sie heiratete 1897 Paul Marnitz, geb. 1873 in Berlin, der als Buchhalter arbeitete. Das Ehepaar lebte ab 1912 in der Pintschstraße 15 in einer Wohnung in der 3. Etage. Im Erdgeschoss betrieben sie eine Zigarrenhandlung. Von 1912 bis 1919 war Paul Marnitz auch Eigentümer dieses Hauses, er starb 1928. Johanna Marnitz führte das Zigarrengeschäft bis 1934 weiter, ab 1935 war sie Rentnerin.
Johanna Marnitz wurde am 13. Januar 1942 wegen ihrer jüdischen Abstammung mit dem sogenannten „8. Osttransport“ nach Riga deportiert und ermordet.

Die Stolpersteine für Lina Günther und Johanna Marnitz hat eine engagierte Anwohnerin initiiert.

Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen oder Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus initiiert wird, finanziert seit 2017 das Bezirksamt. Dieses Vorgehen hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Beschluss (DS/0417-15/V) bekräftigt.

Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe
Bearbeitet von der Geschäftsstelle Gedenktafelkommission Friedrichshain-Kreuzberg.

Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

"Stolpersteine" sind in den Bürgersteig eingelassene Pflastersteine mit Messingtafeln, die an den früheren Wohnorten der Opfer des Nazi-Regimes über deren Schicksal informieren. Über 800 Stolpersteine wurden bisher von Gunter Demnig, dem Initiator des Projektes, im Bezirk verlegt. Um Stolpersteine vor möglichst vielen Friedrichshainer und Kreuzberger Häusern im Bürgersteig verlegen zu können, werden weitere Paten gesucht, die bereit sind, mit jeweils 120 Euro die Herstellung eines Steins zu finanzieren. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg finanziert die Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen initiiert wird. Dies hat die Bezirksverordnetenversammlung im Frühjahr 2017 beschlossen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Stolpersteinprojekt für Friedrichshain-Kreuzberg

Astrid Schiemann
Sprechzeit: Mi 10–16 Uhr, Tel. 030 50 58 52 45
stolpersteinefhxb-museum.REMOVE-THIS.de

Auf dem Portal www.stolpersteine-berlin.de können Sie in der Rubrik "Orte und Biografien" recherchieren, wo in Friedrichshain und Kreuzberg Stolpersteine verlegt sind. Dort finden Sie Biografien der Opfer. Dieser Bereich des Portals wird ständig ergänzt und erweitert, so dass es möglich ist, sich umfassend über das Stolperstein-Projekt in Berlin zu informieren.


 
© FHXB-Museum