Mit der Verlegung von Stolpersteinen wird am 29.05.2026 um 17 Uhr Hans und Elfriede Zoschke gedacht.
Hans Zoschke (*1910 in Landsberg an der Warthe, heute: Gorzów Wielkopolski, Polen) und Elfriede Zoschke (*1911 in Lichtenberg, geborene Jutrzinski) waren im antifaschistischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten in Friedrichshain-Lichtenberg (Die Bezirksgrenze zwischen Lichtenberg und Friedrichshain verlief zu der Zeit anders als heute. So gehörten bis 1938 die Teile von Friedrichsberg und Boxhagen-Rummelsburg, die innerhalb des S-Bahn-Rings lagen, zu Lichtenberg.) aktiv und engagierten sich im Arbeiter*innensport. Von Hans Zoschke wird berichtet, dass er der „beste Zeugwart war, den Sparta je hatte“. Auch Elfriede Zoschke engagierte sich für das Vereinsleben; ob beide auch Sport trieben, lässt sich nicht belegen. Über den Sportverein ergaben sich viele langjährige, vertrauensvolle Kontakte und Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme, die in ihrer Widerstandsarbeit wichtig waren.
Schon in den frühen 1930er Jahren fanden in der Wohnung von Hans und Elfriede Zoschke Treffen politisch interessierter Arbeiter*innen statt. Das Ehepaar Zoschke wurde zu einem wichtigen Anlaufpunkt für widerständige Antifaschist*innen im Kiez.
Nach der Machtübergabe 1933 an die Nationalsozialisten wurden Gewerkschaften, Arbeiterorganisationen, -verbände und auch Arbeitersportvereine „gleichgeschaltet“, d.h. zwangsaufgelöst. Als Nachfolge des nun illegalisierten Arbeiter*innensportvereins „Sparta Lichtenberg“ wurde der „Sportklub Empor Lichtenberg“ gegründet. Der Verein war für viele Antifaschist*innen aus Lichtenberg und Friedrichshain ein wichtiger Ort, um ohne Angst unter Gleichgesinnten sein zu können. Auch der kommunistische Widerstandskämpfer und olympische Ringer Werner Seelenbinder war in dem Sportklub aktiv. Mit ihm waren die Zoschkes eng befreundet. Ob Hans Zoschke auch KPD-Mitglied war, ist unklar. Für Elfriede Zoschke gibt es dazu keine Informationen.
Von 1938-42 gehörten beide dem Netzwerk der „Uhrig-Römer-Gruppe“ im NS-Widerstand an, das verschiedene Widerstandsgruppen in Berliner Betrieben umfasste. Hans Zoschke verklebte beispielsweise vor Industriebetrieben Plakate gegen den Krieg und beteiligte sich an der Verteilung von Flugschriften. Das Ehepaar Zoschke versteckte ab November 1941 den Kommunisten Alfred Kowalke, der aus der „Illegalität“ heraus Widerstandsaktivitäten in der Stadt koordinierte. Diese Hilfe war extrem gefährlich. Als das Netzwerk verraten wurde, wurde auch Hans Zoschke am 04.02.1942 in seiner Wohnung vor den Augen seiner Tochter Roswitha (*1941) verhaftet.
Elfriede Zoschke wurde verhört, konnte aber einer Verhaftung entgehen. Sie kümmerte sich um Roswitha. Hans Zoschke war in wechselnden Gefängnissen und Arbeitslagern eingesperrt. Am 24.10.1944 wurde Hans Zoschke, wie auch sein langjähriger Freund Werner Seelenbinder im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet.
Elfriede und Roswitha Zoschke überlebten. Bis zu ihrem Tod (2004) setzte Elfriede Zoschke sich unermüdlich für das Gedenken an ihren Mann ein. Viele seiner Aktivitäten wären ohne ihren Rückhalt und ihre aktive Unterstützung nicht möglich gewesen. Die Rolle von Frauen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten wird in der Erinnerungskultur nach 1945 zu wenig thematisiert und anerkannt.
Recherche und biografische Zusammenstellung: „Aktive Fans Lichtenberg 47“
Für diese Stolpersteine ist der Sportverein „Lichtenberg 47“ Pate und organisiert die Verlegung. Die Finanzierung dieser Stolpersteinverlegung erfolgt über Mittel des Programms „Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften“ (FEIN) des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
