Manos Efstratiadis' Dokumentarfilm „Pyrgoi 1944“ aus dem Jahr 1982 widmet sich dem Massaker im nordgriechischen Dorf Pyrgoi während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Damals überfiel die Wehrmacht mithilfe von Kollaborateuren in einer sogenannten Säuberungsaktion das Dorf und brachte ca. 350 Menschen um.
Efstratiadis, der 1982 gerade einmal 26 Jahre alt war, produzierte „Pyrgoi 1944“ für das griechische Staatsfernsehen. Er wandte sich mit dem Film einem bis heute stark polarisierenden Thema zu und rückt nicht nur die Okkupation Griechenlands durch die Wehrmacht, sondern auch die innergriechischen Verstrickungen in den Fokus. Die Militärjunta der 1960er und 1970er Jahre war gerade erst überwunden, doch die gesellschaftliche Befangenheit und Spaltung noch lange nicht. Vieles, was im Film ausgesagt wird, hörte man damals zum ersten Mal im öffentlichen Fernsehen – ohne Zensur und ohne Angst vor juristischen Folgen.
Im Februar 2025 zeigte das FHXB Museum den Dokumentarfilm „Paradoxe Heimat“ über Efstathios Chaitidis, einen Überlebenden des Massakers von Pyrgoi. Mit der Vorführung von „Pyrgoi 1944“ und einer Diskussion knüpfen Luise Fakler, Historikerin und Kuratorin, und Aristoteles Chaitidis, Sohn von Efstathios Chaitidis, daran an. Dabei beleuchten sie nicht nur die Vorgänge an sich, sondern auch die verschiedenen Phasen der Rezeption in den folgenden Jahrzehnten.
