Im März werden im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weitere Stolpersteine verlegt. Mit den Stolpersteinen wird am letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Im Bezirk sind bereits ca. 1.100 Stolpersteine verlegt.
Der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projektes Gunter Demnig verlegt zur Erinnerung an Erwin, Hildegard, Eva und Lili Schoeps Stolpersteine.
Erwin Schoeps kam 1895 in Berlin in einer jüdischen Familie zur Welt. Er studierte Medizin in Berlin. Er und Hildegard Wolff (*1899 in Berlin) heirateten 1922. Hildegard Schoeps war Buchhalterin, übte den Beruf nach der Heirat aber nicht mehr aus. Seit 1924 praktizierte Dr. Erwin Schoeps als Allgemeinmediziner in der 2. Etage des Vorderhauses Dresdener Straße 123, wo sich auch die Wohnung befand. 1924 kam Tochter Eva, 1929 Tochter Lili zur Welt Die Arztpraxis florierte und ermöglichte der Familie einen gutbürgerlichen Lebensstil.
Die schrittweise Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 traf auch die Familie Schoeps. Dr. Erwin Schoeps verlor immer mehr Patienten und Patient*innen und sein Einkommen ging dadurch zurück. Die zunehmende Diskriminierung und Bedrohung veranlasste die Familie im September 1938 in die USA auszuwandern, wo sie zunächst in New York City lebten. Erwin begann sofort Englisch zu lernen und sich auf das medizinische Examen vorzubereiten, das er dort erneut bestehen musste, um als Arzt zugelassen zu werden. 1940 ließ sich die Familie in der Kleinstadt Waverly im Bundesstaat New York, etwa 300 km nordwestlich von New York City gelegen, nieder. Dort baute er wieder eine erfolgreiche Praxis auf.
Hildegard Schoeps starb 1962, Dr. Erwin Schoeps 1966 in Waverly. Eva Schoeps hatte 1964 einen tödlichen Autounfall. Lili Schoeps, verwitwete Josephson, starb 2022.
Recherche und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg
Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen oder Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus initiiert wird, finanziert seit 2017 das Bezirksamt. Dieses Vorgehen hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Beschluss (DS/0417-15/V) bekräftigt.
