Mit der Verlegung eines Stolpersteines wird an Wilhelm Leiser erinnert.
Wilhelm Leiser kam 1906 in Breslau (damals preußische Provinz Schlesien, heute Polen) in einer jüdischen Familie zur Welt. Er absolvierte eine Lehre als Kürschner (Verarbeitung von Tierfellen, z.B. zu Pelzbekleidung) und ging um 1926 nach Berlin. Wilhelm Leiser arbeitete als Angestellter in einem Geschäft und fertigte nebenbei privat in der Wohnung Pelzkleidung an. 1931 heirateten er und Lucie Schulz (*1907 in Berlin). Das Ehepaar lebte in der Landsberger Allee 18 (entspricht heute der Nr. 42).
Die zunehmende Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 veranlasste Wilhelm Leiser Ende November 1938 in die Niederlande auszuwandern. Seine „nicht jüdische“ Ehefrau Lucie Schulz begleitete ihn nicht und ließ sich scheiden.
Da Wilhelm Leiser illegal in die Niederlande eingewandert war, wurde er ab Dezember 1938 in verschiedenen Flüchtlingslagern interniert. Seit März 1940 war er im Zentralen Flüchtlingslager Westerbork. Die Niederlande waren nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 besetzt. Zunächst wurde das Lager Westerbork weiter von den Niederlanden verwaltet. Als ab Juli 1942 das sogenannte „polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ direkt unter deutscher Verwaltung stand, begannen die Deportationen der Gefangenen in Vernichtungslager.
Im Mai 1943 heirateten Wilhelm Leiser und Suse Schild (*1915 in Holzminden) im Lager Westerbork. Suse Schild, die als Jüdin verfolgt wurde, lebte vor Ihrer Flucht in Magdeburg.
Am 14. September 1943 wurden beide nach Auschwitz verschleppt. Wilhelm Leiser wurde dort zur Zwangsarbeit im Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz selektiert. Er überlebte die körperliche Schwerstarbeit bei unzureichender Kleidung, Ernährung und Unterbringung nur kurze Zeit und starb etwa im Dezember 1943 an einer Lungenentzündung. Suse Schild kam in Auschwitz in den „Block 10“. Dort waren Frauen und Mädchen untergebracht, an denen medizinische „Experimente“ zur Sterilisation durchgeführt wurden. Viele von ihnen starben an der „Behandlung“, die ihnen widerfuhr. Suse Schild litt bis an ihr Lebensende an den Folgen. Als das Vernichtungslager Auschwitz wegen des Näherrückens der Roten Armee im Januar 1945 geräumt wurde, wurden die Häftlinge auf sogenannten „Todesmärschen“ Richtung Westen geschickt.
Auch Suse Leiser wurde von der SS verschleppt, in ein Außenlager des Konzentrationslager Ravensbrück in Mecklenburg. Dort wurde sie im Mai 1945 befreit. Suse Leiser wanderte 1947 nach Argentinien aus.
Diese Verlegung ist zusammen mit der Stolperstein-Initiative Mitte organisiert – im Bezirk Mitte werden am selben Tag Stolpersteine für weitere Familienmitglieder verlegt.
Recherche und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg
