Am Sonntag, 27. September 2026, verlegt die Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg weitere Stolpersteine. Die Uhrzeit wird noch bekanntgegeben.
Mit Stolpersteinen wird am letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gibt es mehr als 1160 Stolpersteine.
Diese sieben neuen Stolpersteine werden an die Familie Israel erinnern.
Am Kottbusser Damm 5 werden Stolpersteine für Isidor, Ernestine und Meta Israel verlegt.
Isidor Israel kam 1875 im Dorf Wluki, 20 km von der Stadt Bromberg (damals preußische Provinz Posen, heute: Bydgoszcz, Polen) in einer jüdischen Familie zur Welt. Er ergriff den Beruf des Schneiders. Er und Ernestine Meyer heirateten. Auch Ernestine, geb. 1879 in Fordon (heute Stadtteil von Bydgoszcz) gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Das Ehepaar lebte im 20 km von Bromberg gelegenen Dorf Damerau (heute: Dąbrowa, Polen). Hier kam 1908 die Tochter Meta zur Welt.
Die Familie Israel übersiedelte Anfang der 1920er Jahre nach Berlin, da das Gebiet um Bromberg nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages an die Republik Polen ging. Isidor Israel betrieb in Friedrichshain ein Textilgeschäft. Die Tochter Meta absolvierte eine Ausbildung als Kindergärtnerin und Hortnerin. 1934 bezog die Familie eine 2-Zimmer-Wohnung im Haus Kottbusser Damm 5.
Die Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 betraf auch die Familie Israel. Isidor und Ernestine Israel wurden am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten 3. großen Alterstransport von Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. In dem Ghetto waren die Lebensbedingungen kaum erträglich (beengte Unterkünfte, Kälte, Hunger, unzumutbare hygienische Bedingungen, grassierende Krankheiten, fehlende Medikamente.) Isidor Israel starb dort am 11. Mai 1944. Ernestine Israel wurde am 16. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und ermordet.
Meta Israel war zuletzt als Leiterin des Kindergartens der Jüdischen Kultusvereinigung Berlin in der Friedrichshainer Friedenstraße 3 beschäftigt. Sie wurde am 26. Oktober 1942 mit dem sogenannten 22. Osttransport nach Riga verschleppt. Meta Israel wurde gleich nach der Ankunft am 29. Oktober ermordet.
Zur Erinnerung an Samuel, Paula, Manfred und Inge Israel werden in der Jessnerstraße 11 Stolpersteine verlegt.
Samuel Israel (Bruder von Isidor) kam 1887 im Dorf Friedrichsbruch (damals Provinz Westpreußen, heute Bruki Unislawskie, Polen), 28 km nordöstlich der Stadt Bromberg (heute: Bydgoszcz, Polen), in einer jüdischen Familie zur Welt. Er erlernte einen kaufmännischen Beruf und war als Soldat im Ersten Weltkrieg. 1919 heirateten er und Paula Klahr in Bromberg. Sie wurde 1896 im Dorf Zolondow geboren, das auch in der Nähe von Bromberg war (heute: Żołędowo.)
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging das Gebiet um Bromberg gemäß dem Versailler Vertrag an den polnischen Staat. Samuel und Paula Israel übersiedelten in die Kleinstadt Schlawe (damals preußische Provinz Pommern, heute: Sławno, Polen.) Dort kamen 1920 der Sohn Manfred und 1924 die Tochter Inge zur Welt. Die Israels hatten in Schlawe einen gutgehenden Manufaktur- und Schuhwarenladen.
Die systematische Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen durch die Nationalsozialisten wirkte sich auch auf diese Familie aus: Sie litten seit 1933 unter dem zunehmenden Boykott jüdischer Geschäftsleute, daher entschloss sich die Familie dazu auszuwandern.
Manfred Israel emigrierte 1938 in die Niederlande und 1939 nach Palästina. Im selben Jahr verließen Samuel, Paula und Inge Israel ihren Wohnort Schlawe. Sie gingen nach Berlin, um dort die Erteilung ihrer Auswanderungserlaubnis abzuwarten. Doch dazu kam es nicht mehr. Zuletzt wohnten die Israels zur Untermiete in der Kronprinzenstraße 49 (heute Jessnerstraße 11) in Friedrichshain. Samuel, Paula und Inge Israel wurden am 27. November 1941 mit dem sogenannten 7. Osttransport von Berlin nach Riga deportiert. Sie wurden nach der Ankunft am 30. November in zuvor ausgehobenen Gruben in den Wäldern von Riga-Rumbula von Angehörigen der SS erschossen (Massaker von Rumbula).
Am selben Tag werden in Mitte und Weißensee für weitere Familienmitglieder Stolpersteine verlegt.
Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg
