Irawati Karve (1905–1970) ist in Indien als erste Frau bekannt, die Professorin für Soziologie und Anthropologie wurde, sowie für ihre feministischen Schriften zu Kultur und Philosophie. Weniger bekannt ist, dass sie Ende der 1920er Jahre am berüchtigten Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin ausgebildet wurde – einem Zentrum für Eugenik und Rassenanthropologie. Dort lernte sie nicht nur die rassistischen Theorien und Praktiken kennen, sondern stellte sie zugleich in Frage.
Das Buch, verfasst von der Schriftstellerin Urmilla Deshpande und dem Anthropologen Thiago Pinto Barbosa, verknüpft in „Iru“ Archivmaterial mit persönlichen Geschichten und zeichnet so das bemerkenswerte Leben Irawatis nach – beginnend mit ihrem prägenden, zugleich schwierigen Verhältnis zur deutschen Anthropologie.
„Iru: The Remarkable Life of Irawati Karve“ (Speaking Tiger, 2024) wurde fünfmal für den Preis als bestes Sachbuch des Jahres nominiert, darunter für die renommierten Auszeichnungen der New India Foundation und der Indian Express Group.
Die Buchvorstellung wird gefolgt von einer Diskussion mit Lisette Jong, moderiert von Manuela Bauche.
Über die Referierenden:
Urmilla Deshpande ist Schriftstellerin mit Wohnsitz in Tallahassee, USA. Zu ihren Werken gehören „A Pack of Lies“, „Slither: Carnal Prose“ und „Body and Blood: Stories on Breaking the Ten Commandments“.
Thiago Pinto Barbosa ist ein brasilianischer Anthropologe mit Arbeitsorten in Leipzig und Berlin. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst das Buch „Racializing Caste“ (2024) und untersucht das Verhältnis von Wissenschaft und Macht, insbesondere in Bezug auf Rassismus und ökologische Fragen.
Lisette Jong (Universität Amsterdam) erforschte die Persistenz von Rasse in der heutigen biologischen Anthropologie. Derzeit arbeitet sie zu den Verflechtungen von Wissenschaftsgeschichte und Kolonialismus anhand der Untersuchung von Tierüberresten in naturhistorischen Sammlungen.
Manuela Bauche ist Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Geschichte der Lebenswissenschaften. Sie leitet den Erinnerungsort Ihnestraße an der Freien Universität Berlin, eine Dauerausstellung, die sich kritisch mit der Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik am ehemaligen Standort auseinandersetzt.
Eine Veranstaltung der Freien Universität Berlin, Goethe-Universität Frankfurt, Universität Leipzig und des FHXB-Museums. Gefördert von der Wenner-Gren-Foundation, der DFG und HOAN/EASA.