Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die Bezirksverordnetenversammlung erinnern an die Pogrome am 9. November 1938 in einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung am Ort des ehemaligen Geschäfts und der Wohnung von Elias und Martha Feuerstein.
An der Gedenkveranstaltung wird die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Regine Sommer-Wetter teilnehmen. Die Veranstaltung nimmt mit Musik und Redebeiträgen die Lebensgeschichte des Ehepaars Feuersteins in den Blick. Beide Eheleute wurden als Juden*Jüdinnen durch die Nationalsozialisten ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt und ermordet.
Das faschistische NS-Terrorregime zündete im Beisein der Bevölkerung in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 Synagogen an, zerstörten jüdische Geschäfte und Einrichtungen und erniedrigten und ermordeten jüdische Mitbürger*innen. Diese beispiellose systematisch organisierte Entrechtung, Gewalt und Ermordung von Juden*Jüdinnen fand auch in Friedrichshain und Kreuzberg statt. In Friedrichshain, vor allem in der Umgebung der ehemaligen Großen Frankfurter Straße (heute Karl-Marx-Alle), der Warschauer Straße und der Frankfurter Allee waren viele jüdische Geschäftsinhaber*innen betroffen.
Elias (1873-1938) und Martha Feuerstein (1881-1944) wohnten und arbeiteten in der Strausberger Straße 25. Das damalige Gebäude existiert nicht mehr; es befand sich in etwa an der heutigen Adresse Neue Weberstraße 57. Das Ehepaar Feuerstein betrieb dort eine Wein- und Likörhandlung. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 waren die Feuersteins vom Boykott jüdischer Geschäfte betroffen.
Bei den Novemberpogromen 1938 wurden ihr Geschäft und ihre Wohnung geplündert und zerstört. Wegen der Bedrohung an diesen Tagen hielt sich die Familie nicht in der sich dem Geschäft anschließenden Wohnung auf, sondern war bei ihrer Tochter Erna im Prenzlauer Berg. Elias Feuerstein wollte am 10. November nach dem Geschäft sehen. Kurz darauf wurde er auf der Straße liegend gefunden und tot ins Krankenhaus eingeliefert. Martha Feuerstein zog nach der Zerstörung ihrer Existenz zu ihrer Tochter. Später lebte sie unfreiwillig in einer Zwangswohnung im Prenzlauer Berg und zuletzt illegal im Untergrund in Moabit. Nicht überliefert ist wie sie enttarnt wurde. Bekannt ist nur, dass Martha Feuerstein 1944 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet wurde. 1944 wurde sie nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet.
Das Schicksal von Elias und Martha Feuerstein zeigt beispielhaft, wie das einst vielfältige jüdische Leben durch die rassistisch antisemitische Enteignungs-, Ausschluss- und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus zerstört wurde.
